Energiesparen wirkt – Pilotprojekt zeigt Einsparpotenziale in Wohngruppen der Jugendhilfe

Wie lassen sich Energie- und Wasserverbräuche im Alltag senken – auch in Wohnkontexten mit besonderen sozialen und organisatorischen Anforderungen? Ein Pilotprojekt des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) zeigt: Mit praxisnahen Experimenten, spielerischen Methoden und konkreten Messungen lassen sich Einsparpotenziale sichtbar machen und Selbstwirksamkeit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Familien stärken. Im Oktober 2025 führte das UfU im Auftrag der Cornelius-Werk Diakonische Hilfen gGmbH das Pilotprojekt „Energiesparen in Wohngruppen der Jugendhilfe“ durch. In mehreren Workshops zu Energie- und Wassersparen arbeiteten Kinder, Jugendliche sowie junge Eltern an der Frage, wie sich Ressourcen im Alltag bewusster und effizienter nutzen lassen.

Messbare Einspareffekte im Alltag

Zentrales Element der Workshops waren interaktive Experimente, mit denen Energie- und Wasserverbräuche unmittelbar erfahrbar wurden. Besonders eindrücklich war ein Lüftungsexperiment mit Nebelmaschine und CO₂-Messgeräten: Während beim Kipplüften der CO₂-Gehalt der Raumluft kaum sank und zeitweise sogar anstieg, führte Stoßlüften innerhalb kurzer Zeit zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität. Das Experiment machte anschaulich deutlich, dass einfache Verhaltensänderungen nicht nur Energie sparen, sondern auch das Raumklima und die Gesundheit verbessern können. Ergänzend wurden Raumtemperaturen und Thermostateinstellungen überprüft sowie mithilfe einer Wärmebildkamera Wärmebrücken am Gebäude identifiziert.

Wasserverbrauch verstehen – direkt und indirekt

Auch beim Thema Wasser stand das aktive Messen und Vergleichen im Vordergrund. Jugendliche prüften den Durchfluss von Wasserhähnen, kontrollierten Spülkästen und dokumentierten Einsparmöglichkeiten. Darüber hinaus wurde der sogenannte sekundäre Wasserverbrauch thematisiert: Anhand von Alltagsprodukten wie Lebensmitteln, Kleidung oder Fahrzeugen wurde deutlich, wie viel Wasser bereits bei der Herstellung verbraucht wird. Besonders der hohe Wasserbedarf bei der Produktion von Rindfleisch und Autos im Vergleich zu pflanzlichen, regionalen Lebensmitteln sorgte für Aha-Momente.

Modellprojekt mit neuer Perspektive für das UfU

Das Projekt hatte für das UfU Pilotcharakter: Während Energiesparprojekte bislang vor allem in Nichtwohngebäuden wie Schulen oder Kitas umgesetzt wurden, standen hier erstmals Wohngebäude der Jugendhilfe im Fokus der energetischen Betrachtung. Die Workshops zielten darauf ab, Klimawissen niedrigschwellig zu vermitteln, Selbstwirksamkeit zu fördern und die Teilnehmenden zu befähigen, Einsparmaßnahmen eigenständig im Alltag umzusetzen.

Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen – etwa durch Personalausfälle oder den laufenden Betrieb in den Wohngruppen – zeigte sich, dass partizipative Klimabildung auch unter Realbedingungen gut funktioniert. Besonders hervorgehoben wurden von den Teilnehmenden die detektivischen Hausrundgänge und die spielerischen Quizformate, die belegten, dass sich zentrale Inhalte nachhaltig eingeprägt hatten.

Wie geht es weiter?

Das Pilotprojekt stieß sowohl beim Auftraggeber als auch in den beteiligten Einrichtungen auf große Zustimmung. Die Wohngruppen planen, Einsparmaßnahmen selbstständig weiterzuverfolgen, etwa durch das Anbringen von Sparhinweisen im Alltag. Der Auftraggeber prüft zudem, ob das Konzept auf weitere Einrichtungen übertragen und verstetigt werden kann.

Ein Feedback aus der Mutter-Vater-Kind-Gruppe bringt die Wirkung des Projekts auf den Punkt: „Ein tolles Projekt!“

 

Kontakt: Antonia Nieke, Janna Greisle